Rezensionen

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    • Meine Meinung zu dem Buch:


      Kealan Patrick Burke. An einem glühend heißen Sommertag in Elkwood, Alabama taumelt Claire Lambert nackt, verletzt und halb blind von einem Ort des Grauens davon.
      Sie ist die einzige Überlebende eines Alptraums, der ihre Freunde das Leben gekostet hat. Und obwohl sie für Rettung betet, kommen die Killer –
      eine Familie kannibalischer Geistesgestörter – immer näher. Ein Soldat, der an posttraumatischer Belastungsstörung leidet, kehrt aus dem
      Irak zurück und erfährt, dass sein Bruder zu den Opfern in Elkwood zählt. Im eingeschneiten Detroit bekommt eine Kellnerin, die in einer
      von Missbrauch geprägten Beziehung gefangen ist, unerwarteten Besuch, der zu Blutvergießen führt und sie in eine Vergangenheit zurückversetzt,
      vor der sie jahrelang zu fliehen versucht hat. Claire, die alleinige Überlebende des Elkwood-Massakers, wird von ihren toten Freunden
      heimgesucht und träumt von Rache. Ein Traum, der von Trauer und Wut real wird, der gute Menschen in kaltblütige Mörder verwandelt und Fremde
      gezwungenermaßen zu Verbündeten werden lässt. Es ist Zeit, nach Elkwood zurückzukehren.


      Claire stolpert schwer verletzt, völlig derangiert und ohne wirkliche Kontrolle über ihre Gliedmaßen über ein
      Stück Weide davon. Sie flüchtet vor erbarmungslosen Killern, die sie und ihre Freunde gefangen hatten und folterten. Sie konnte einen der Typen
      niederstechen und fliehen, doch sie wird vom Famlienmitglied Luke verfolgt. Dennoch schafft sie es über einen Stacheldrahtzaun, der die
      Weide von der Straße abgrenzt, und bleibt dann auf dem Asphalt liegen. Der junge Pete kommt mit seinem Vater Jack in deren Wagen direkt auf sie
      zu. Jack will weiterfahren, aber Pete sieht die Frau und so stoppen sie und laden sie ein. Claire kann nach Hause kommen, aber sie wird das
      Trauma und die schweren Verletzungen, die ihr zugefügt wurden nicht mehr los. Inzwischen ist auch Finch, der Bruder von Claires Freund Danny, in
      der Stadt und als Kriegsveteran schon drauf und dran, direkt aufs Ziel loszumarschieren, wenn er es denn kennen würde. Also muss er sich die
      Informationen bei Claire holen und besucht auch die Angehörigen deranderen Opfer. Und dann findet sich jemand, der reich genug ist und
      irgendwie seelisch am Ende, sodass er jeden Betrag genehmigt, den Finch braucht, um mit seinem Kumpel Beau in die Höhle des Löwen zu
      marschieren.


      Klingt jetzt alles irgendwie sehr bekannt, doch schon der Vergleich mit Richard Laymon auf der Rückseite via Fearnet ist ziemlich weit daneben. Und auch
      Handlung geht nicht nach einem erwarteten Schema vor. Da wird nicht einfach nach der Tortur und dem entkommen eine Gruppe losgeschickt, die
      sich gnadenlos rächt. Burke geht behutsam mit seinen Figuren um, schildert in einer bildhaften, gewaltigen Sprache das Leid, das sie erfahren mussten und das sie nicht
      einfach verarbeiten können, wenn überhaupt jemals. Sei es nun Claire, die mit fürchterlichen Wundmalen dem Tod entkommen ist oder der
      traumatisierte Finch, der aus dem Krieg gegen den Terror kommt und das dortige Grauen in den Ländern der Feinde mit nach Hause gebracht hat. Er
      kann sich nicht mehr an ein sogenanntes normales Leben anpassen, er ist immer noch im Kampfmodus und hat Angst davor, sich auf andere Menschen
      einzulassen, weil er ihnen nur schaden würde - und daher ist er auch einsam. Nur sein Kumpel Beau ist an seiner Seite, weil er das Ganze
      ebenfalls mitmachen musste, aber anders damit umgeht. Wichtig ist für den Autor das Innenleben der Akteure. Auch in der Familie der Killer,
      den Merrills, spielt es eine große Rolle. Die Kinder von Eltern beeinflusst, die einfach nicht normal sein können und die die Macht über
      ein kleines Hinterwaldstädtchen haben. Normalerweise erwartet man hier eher einen Reichtum, der vorgezeigt wird, der den Bewohnern klar
      verdeutlicht, dass sie nichts gegen die Großgrundbesitzer sind und froh sein müssen, dass man sie in Ruhe leben lässt. Hier ist es anders, hier
      herrscht vor allem die Angst. Detailgenau schildert Kealan Patrick Burke, was diese Familie umtreibt, warum sich keiner gegen sie wehrt, was die
      Geschehnisse mit den Angehörigen machen und wie diese damit umgehen? Was ist mit Claire, verkraftet sie ihre Verstümmelungen und die sicher
      ewig währenden Erinnerungen? Die Charaktere sind unheimlich gut getroffen, nicht die übliche Trennung von Gut und Böse. Jeder hat seinen
      Rucksack zu tragen. Das alles ist eingebettet in eine Story, wie man sie zu kennen glaubte. Doch die Morde der Familie werden nicht
      zelebriert nur um der Gewaltdarstellung willen, die Rache des Finch nicht in ausufernder Action geschildert. Das ist nur Beiwerk für ein
      intensives Buch um die Psyche der Figuren, die durch Entscheidungen und Taten (seien sie nun falsch oder richtig) in Mitleidenschaft gezogen
      wurde. Die Qual der Gedanken an das Geschehene wird immer bleiben. Äußerst bemerkenswert, wie der Autor einen Stoff, der wie gemacht ist
      für einen Metzler a la "Wrong turn" oder das erwähnte "Texas chainsaw massacre" in eine psychologische Studie verwandelt, die sich ergreifend liest und
      beeindruckender daherkommt als es plakative Gewalt sein kann. Warum das Buch nicht bei einem großen Verlag erschienen ist? Tja, vielleicht,
      weil es in den derzeitigen Trend nicht passt, dem die Massenverwerterderzeit folgen. Wer also einmal Horror von jemandem lesen will, der
      schreiben kann (also nicht Laymon), dann greife er zu Kealan Patrick Burke, von dem bei Voodoo-Press auch die Timmy Quinn-Reihe veröffentlicht wird.
    • "Bigfoot Crank Stomp" Erik Williams

      Erik Williams. Es hört sich so einfach an. Einsteigen, alle umlegen unddas Geld und die Drogen mitnehmen. So sieht Russells und Mickeys Plan
      aus. Doch die Drogenhöhle mitten im Wald verbirgt ein dunkles, im Keller angekettetesGeheimnis. Eine wütende Bestie voller Methamphetamin will freikommen.
      Nichts könnte den Amoklauf mit Drogen vollgepumpten Bigfoots aufhalten - Bigfoot gibt es wirklich und er ist süchtig nach Meth!


      Russell und Mickey gehören zu den Meth-Köchen mit eigenem Suchtverhalten in den tiefen Wäldern der USA. Solange alles in bestimmten Territorien aufgeteilt bleibt, herrscht
      Frieden. Die Bullen ignorieren das Problem gegen eine kleine Gabe und die Touristen bekommen von dem Mist eh nix mit. Doch da ist eine
      Konkurrenz am Werkeln, die es übertreibt, möglicherweise sogar für mehr Aufmerksamkeit als unbedingt nötig sorgt. Es gilt also, diese miese Brut
      auszumerzen. Die Beiden machen sich auf den Weg. Und bei den Drogenherstellern mit Stressfaktor 100 geht es gerade rund her. Haben
      die Knallköppe doch glatt nen Bigfoot im Keller, was ja an sich schon ne rechte Blödheit wär, aber nö, die mussten das Vieh/den Typ/das Wesen
      (ich benutze ab jetzt Vieh) noch drogenabhängig machen. In einem Kellerloch wird Bigfoot gehalten und immer wieder mit Nachschub
      versorgt. Und wenn der nicht rechtzeitig kommt, geht es den Spacken wie Kollege Jimmy - der Bigfoot latscht ihm die Birne zu Matsch. Und dann
      kommen Mickey und Russell, um die Konkurrenz umzunieten. Klappt größtenteils, doch nicht alle Feinde werden ausgelöscht, der Bigfoot
      kommt frei, Russell flüchtet in den Wald, beobachtet von Manny, einem Veteranen, der sich im Wald vor der Zivilisation verbirgt und direkt auf
      dem Weg zum Lager einer Touristin, die sich dort mit einigen Bieren schlafbereit pichelt. Und der Bigfoot auf Russells Fährte. Und der fiese
      Sheriff mit seinen halbseidenen und halbgebildeten Deputies mischt dann auch noch mit.


      Wie erkläre ich es nun den lieben Lesern. Ich hatte ein durchgeknalltes und völlig verrücktes Buch erwartet, etwas
      das ich noch nicht gelesen hatte. Neu, unerwartet, überraschend. Tja,so ganz hat das nicht gepasst. Die Idee mit dem abhängigen Bigfoot ist
      nicht schlecht, keine Frage, doch die großen Grinser, der fette Spaß bleibt irgendwie aus. Zudem hatte ich dann immer den Asylum-Film
      "Bigfoot" vor Augen, bei dem unser aller Alice Copper ähnlich gematscht wird. Der Bigfoot ist halt nur ein rasender Süchtiger auf der
      Suche nach Stoff und ohne Rücksicht auf irgendwelche Menschen in seinem Wald. Anders verhält es sich mit den menschlichen (Okay, sie bezeichnen
      sich halt so, weil man sie offiziell zur menschlichen Rasse zählt) Protagonisten. Allesamt irgendwie gestört, allesamt ohne jegliche
      Sozialkompetenz, allesamt den Drogen verfallen. Und jeder Leser, der hier so eine seltsame Sache wie Anspruch oder gar das andere seltsame
      Ding, das man irgendwie nur von der Seefahrt her kennt, Tiefgang, der kann hinsichtlich dieses Buches auch gleich auf Tauchgang gehen, denn
      bei dieser Lektüre wäre er falsch. Man hat den Autor Edward Lee auf der Rückseite des Umschlages zitiert und Leute, was der sagt, ist ja so
      wahr, wie selten ein Lobpreisung eines Kollegen gewesen ist. Hier wird gerammelt und geknallt bis zum Geht nicht mehr. In verschiedenen
      Besetzungen und Variationen, Körpersäfte en masse. Einzuordnen irgendwo zwischen einem normalen Horrorthriller der Spartenverlage und den
      Extrembrettern des Spezialisten Frank Festa. Also zarte Gemüter mit empfindlichen Mägen, Mainstreamleser und -verleger, systemtreue Kritiker
      und sämtliche Vertreter der neumodischen "Political correctness"-Zensur - haltet euch von der Lektüre fern, sie ist (wahrscheinlich) zu derb
      für euch. Aber vermutlich handhabt ihr es eh wie die Masse bei den Til Schweiger-Tatorten - der passt sich nicht an, also machen wir ihn platt, auch wenn wir
      nicht gesehen haben, was er so leistet. Wie früher eben, nur hinter geschickteren Worthülsen versteckt - wer nicht zur allgemeinen Meinung
      oder der vorherrschenden Masse passt, eigene Vorstellungen hat, der wird ausgegrenzt, diffamiert und sogar öffentlich geächtet. Egal, auch wenn
      ich mir den Bigfoot etwas verrückter gewünscht hätte, bietet das Buch seinen Leser noch genügend anderen Spaß, den man locker genießen kann.
      In der Hinsicht hat es mich dann auch positiv überrascht und deshalb kann ich die anfängliche Enttäuschung über den etwas zu normalen Bigfoot
      leicht verkraften. Also wer Horror der etwas deftigeren Art mit einem kleinen Schlag sexueller Ausschweifungen nahe beim genannten Edward Lee
      zu schätzen weiß, sollte hier bedenkenlos zugreifen können. Andere lesen lieber Ludwig Ganghofers "Der Herrgottschnitzer von Ammergau". Oh weh,
      liebe politisch korrekte Sittenwächter, da wird das Wort "Schnitzer" (Serienkiller??) in einem Zusammenhang mit Gott genutzt.
      Darf das überhaupt sein? Muss man jetzt nicht auch Ludwig Ganghofer in sämtlichen Medien verdammen und verbannen, ja sein Werk gar korrigieren,
      den das geht ja gar nicht. Nimmt man jetzt nicht besser "Herrgottmaler"? Hach ja, das Leben eines Bewahreres der politisch
      erzwungenen richtigen Einstellung anderer Menschen ist schwer. Zum Glück hab ich damit nix zu tun. Ich hab meinen Alkoholkonsum eingestellt - schlimm genug.
    • Fangboys Abenteuer

      Jeff Strand. Nathan Pepper sah wie ein gewöhnliches Baby aus - außer, dass er einen Mund voller gruseliger scharfer Zähne hatte. Sein Leben
      begann damit, dass seine Großmutter dringend empfahl, ihn so bald wie möglich umzubringen. Man kann deshalb wohl sagen, dass für Nathan kein
      typisches Dasein bestimmt war. Er hasste den Spitznamen Fangboy. Aber keiner konnte leugnen, dass er der furchteinflössendste kleine Junge in
      der ganzen Stadt war. Und er würde alle möglichen Abenteuer erleben. Tragische Abentuer, wie das Schicksal seiner Eltern. Gefährliche
      Abenteuer, wie seine Begegnung mit dem zwielichtigen Professor Mongrel. Spannende Abenteuer, wie der Ritt auf einem wildgewordenen Pferd, das er
      nicht zum Stehen bringen konnte. Du denkst dir dann: Naja, er sollte einfach abspringen". Aber das kann er nicht, weil es zu schnell rennt,
      und er sich ein Bein brechen könnte. Und ja, ein besonders grauenvolles Abenteuer, das allerdings nicht sehr ausführlich beschrieben wird.


      Nachdem seine Eltern sich weigerten, ihn zu ersticken, verließen seine Großeltern flugs das traute Heim von Nathan, während sich seine Eltern
      rührend um den Kleinen kümmerten. Doch als er gerade sechs Jahre alt war, vergisst seine Mutter den Gasherd auszuschalten und seine Eltern
      kommen ums Leben. Natham kommt in ein Waisenhaus, dessen Leiter ein knauseriger Sparfuchs ist und der gerne mit der Gerte züchtigt. Doch
      eines Tages kann Nathan fliehen und lebt fortan für ein Jahr im Wald. Mit sieben Jahren wird er von Penny und Mary aufgenommen, die ihn dann
      auch zur Schule schicken. Dort wird ihm auch der Name Fangboy angehängt und er hat unter den Hänseleien der anderen zu leiden. Doch Jamison, ein
      Junge, der bald an seiner Krankheit sterben sollte, schert sich nicht um die Zähne und wird sein Freund. Bald wird Fangboy sogar zu einer
      Halloweenparty eines Klassenkameraden eingeladen, doch die endet damit, dass er in Notwehr einen Peiniger beißt und ins Gefängnis muss. Dort
      wird er von einem Mann rausgekauft, der ihn an Professor Mongrel weitergibt, der eine Monstrositätenshow organisiert und den Jungen
      auftreten lassen will. Doch bei einer Vorstellung kommt es zu einem Brand und Nathan büchst auf einem Pferd aus, das er aber nicht stoppen
      kann und das tagelang einfach ohne Pause weiterläuft. Als er endlich von dem Pferd herunterkommt, muss er wieder im Wald leben und flüchtet des
      winters vor einem Bären. Er gräbt sich tief in den Schnee ein, um sich zu verstecken und wird erst elf Jahre später tiefgefroren wieder
      gefunden.


      Jeff Strand liefert hier weder einen Horrorroman noch ein Splatterfest ab. "Fangboy" weist aber den typischen Humor des Autors
      auf und man sollte die vielen überzeichneten Figuren nicht bierernst nehmen, denn das wäre fehl am Platz. Eine sehr unblutige Geschichte, die
      eigentlich tieftraurig im Grundtenor sein könnte, wird von Strand zu einem warmherzigen und so feinfühligen wie anrührenden MÄRCHEN. Die
      Themen reichen von all den Sehnsüchten nach Liebe und Geborgenheit, die sich jeder wünscht, über die Tatsache, dass man den Mut aufbringen
      sollte, sich nicht von der Masse verbiegen zu lassen, bloß, weil man anders ist. Er erzählt dem Leser, den er manchmal sogar direkt
      anspricht, sympathisch und locker, hin und wieder sogar ergreifend, wie der kleine Kerl sein Schicksal meistert und hat sich noch ein besonderes
      Ende einfallen lassen. Auch wenn es trotz minimaler und seltener kleinerer Gewaltspitzen kein Horrorroman ist, den uns Jeff Strand hier
      kredenzt, ist es dennoch eine wunderschöne, etwas bizarre Story um einen liebenswerten Bengel.Man sollte den Autor im Auge behalten, denn im Gegensatz zu den meisten anderen, gelingt es ihm immer wieder, den Leser zu überraschen.
    • Benjamins Parasit

      Jeff Strand. Zu jedem Zeitpunkt beherrbergt der menschliche Körper Millionen von Parasiten. Dies ist die Geschichte von nur einem von ihnen. Einem wirklich, wirklich widerlichen. Benjamin Wilson hatte einen lausigen Monat, und das sogar noch vor seinen Magenschmerzen. Er wurde bald 40. Einer seiner Schüler war erschossen worden, während er mit einem Fleischerbeil Amok lief. Und kurz nach dessen Beerdigung fühlte sich Benjamin nicht so wohl. Es verändert sich alles. Sein Körper wird auf unangenehme Weise beeinträchtigt. Sein Charakter entwickelt ein paar "Marotten". Aber die größte Veränderung besteht darin, dass ein Haufen böser und/oder psychisch gestörter Leute versucht ihn umzubringen, um an den Parasiten zu gelangen. Seine einzige Hoffnung ist Julie, eine hinreißende Kopfgeldjägerin, die das Beste für ihn will - oder vielleicht auch nicht. Und die fähig genug ist, ihm zu helfen - oder vielleicht auch nicht.

      Brian werkelt erst eher unduldsam an seinen Hausaufgaben, bevor er sich an den PC setzt und sich mit einem Killerspiel vergnügt. Die Metzeleien bereiten ihm durchaus Vergnügen, doch plötzlich steht er auf, schnappt sich in der Küche ein Fleischerbeil und beginnt damit, seine Mutter zu attackieren. Mama trägt einige Verletzungen davon, schafft es aber dennoch zum Nachbarn zu flüchten. Als Brian dort eindringen will, erhält er von dem Mann des Hauses per Schrotflinte die letzte Füllung. Während der Beerdigung des Schülers beugt sich der Lehrer Benjamin Wilson über den geöffneten Sarg und meint, von dem Toten angehaucht worden zu sein. Er tut es als Einbildung ab und sieht auch keinen Zusammenhang, als er Wochen später ständigen Heißhunger auf Schokolade verspürt und zum sexbesessenen Lehrer mutiert (Warum muss ich bloß an Richard L. denken?). Seine Frau findet es toll, also kann es ja nicht falsch sein. Doch genug der Freuden. Bald stellen sich Magenschmerzen ein und als er in der Schule fast zusammenbricht, schafft man ihn ins Krankenhaus. Dort zeigen die Röntgenaufnahmen einen großen Parasiten in seinem Magen. Und dann wird er auch noch vom OP-Tisch weg von Julie entführt, die ihn ins Forschungslabor nach Kalifornien bringen soll. Und weil das noch nicht genug Probleme sind, werden die beiden dann auch noch von diversen Gruppierungen verfolgt, die ebenfalls hinter dem Parasiten her sind. Die Reise nach Kalifornien entwickelt sich zu einem blutigen Trip, bei dem sich Psychos, Killer und durchgeknallte Hinterwäldler sozusagen die Klinke in die Hand geben.

      Jeff Strand hat seine Visitenkarte ja schon mit "Grabräuber gesucht..." und "Alleinstehender Psychopath sucht Gleichgesinnte" abgeliefert. Das dritte Buch um Andrew Mayhem, "Sarg zu verkaufen...." wurde dann vom Otherworld-Verlag zwar angekündigt, aber leider nicht mehr veröffentlicht. Nun hat sich also Voodoo-Press dankenswerterweise des Autors angenommen und gleich einen Kracher vor
      dem Herrn veröffentlicht. Von Beginn an wird Fun und Action geboten, lässt sich ein Schmunzeln selten vermeiden und steigert sich das Tempo
      bis zum Ende immer mehr. Abgesehen von einigen Parasitenattacken und einer durchdrehenden Kuh ist der Horror nicht übermäßig blutrünstig,
      aber die Action und der Humor machen das locker wieder wett. Ob es nun die Begegnungen mit den Brüdern Smith sind oder mit dem Bodenstatz der
      Gesellschaft, der Mix bleibt immer äußerst spaßig und die Story lässt sich sehr zügig lesen - quasi verschlingen. Zwar bleibt die
      Charakterzeichnung etwas auf der Strecke, doch darauf hab ich bei Jeff Strand auch nicht gesetzt. "Benjamins Parasit"
      ist schnörkellos, temporeich, lustig, schwungvoll und dynamisch sowie überkandidelt, abgedreht und völlig überzogen, kreativ und flapsig. Voll
      von irre komischen Situationen wie der "Unterhaltung" mit dem Parasiten oder die Sache mit den Zähnen. Die Zeit über den ca. 270 Seiten vergeht
      wie im Flug. Wirklich feine Unterhaltung, die ne Menge Spaß mit sich bringt.
    • Der unglaubliche Mr. Corpse

      Ein weiterer Jeff Strand. Damit wäre eigentlich schon genug gesagt, aber ich konnte mich dann dich nicht beherrschen und hab mehr dazu verzapft. Das liest sich dann so:

      Ich beginne mal damit, dass man den Illustrator des Titel nicht loben darf, sonst wird einem glatt Geschleime unterstellt. Scheint ein bisserle eigen, der gute Mann, oder MS? Bitte "FETTES GRINSEN" vorstellen!! Zum Buch: Es ist ein Jeff Strand, wie ich ihn mag. Voller Humor und Witz. Und mit einer anderen Herangehensweise an das Thema Zombie (taten ja auch schon sehr gut Autoren wie Nassise, Robinson oder Bible). Wer hier jetzt die großen Gemetzel oder das große Fressen erwartet, auf Blut und Eingeweide lauert, den actionreichen Überlebenskampf der letzten Menschen mitverfolgen will, der wird hier ..... nicht bedient. Der arme Stanley ist nichts anderes als eine Laborratte, die nach einem erfolgreichen Experiment herumgereicht wird und deren Erfolg man nun zu Geld machen will. Sehr viel Geld!! Und schon sind wir mittendrin in einer Medienschelte vom Feinsten. Da stellt man sich die Frage, wie weit die Sender noch für Quote gehen? Oder wer sich das überhaupt ansieht, dass es so gut läuft (siehe tagtäglich im Privat-TV)? Da werden halt jetzt keine Supermodels gesucht, die zum Wohle ihrer Moderatoren bis auf die Knochen abmagern oder sogenannte Superstars, die vor einer unterschichtlichen Jury vor Millionen von Zuschauern zum gescripteten Deppen machen, sondern man setzt dem Publikum einen Zombie vor. Und alle springen drauf an, jeder will sein Häppchen vom Ruhm haben. Überhaupt der Ruhm - bringt er wirklich sogar den blödesten und hässlichsten Promis die schärfsten Schnecken, macht Prominenz schön oder warum stürzen sich Frauen mit fragwürdigem Verstand (Sind das Groupies oder gar meine?) nur so auf die Typen? Ist es wirklich belegt, dass Ruhm verblödet (Frag nach bei Charlie Sheen) oder gar zum Vollidioten macht? Warum mutiert keiner dieser Vollhonk-Promis nicht einmal - nur einmal - zu einem intelligenten Menschen, der einen nützlichen Beitrag zum Wohle der Menschheit leistet? Und was ist mit diesen ganzen nutzlosen Fressern, die eigentlich wie unser Protagonist Stanley nur dafür berühmt sind berühmt zu sein und in ihrem sinnfreien Leben noch nichts geleistet haben? Mit den Namen solcher Gestalten könnte man Seiten füllen. Und wer lässt sich alles von den neuen Medien korrumpieren? Kann man sich dem Scheiß einfach nicht entziehen? Selbst der religiöse Fanatismus, in den USA sehr ausgeprägt, kommt nicht ungeschoren davon, wenn sich ein Kult um den neuen Erlöser bildet. Und dann nimmt die Geschichte eine Wendung. Ist sie lange Zeit dialoglastig, wenn man und Dialog das Ablassen von dummen Sprüchen, frechen Widerworten oder fiesen Wortspielen versteht, findet man sich bald in einer eher ernsthaften Wendung der Story wieder. Da fließt dann auch etwas Blut, wird der eine oder andere Mord begangen und Stanley stellt sich die exitenzielle Frage bezüglich seiner eigenen Nutzlosigkeit? Er beantwortet sie dann auch. Bis dahin aber führt Jeff Strand den Leser mit vielen Späßen, Witzen und Kabbeleien über die Seiten, lässt über irre Situationen schmunzeln. Sein Stanley ist ein Verlierer, der plötzlich etwas Macht bekommt. Er ist eine dauernd nörgelnde Nervensäge mit Hang zu blöden Sprüchen, ein Querulant erster Güte - aber ein lustiger. All die anderen Figuren sind eigentlich nur Randerscheinungen, selbst der Doktor oder die scharfe Assistentin, die ebenfalls unter Stanleys Mundwerk zu leiden hat, oder sein Kumpel Martin. Das Buch ist ganz auf den Zombie fixiert, bietet aber nebenbei die Botschaft, wie sinnfrei das Leben dieser Pseudo-Promis und Medienstars doch ist. Wer also keinen Zombie-Horror im üblichen Stil erwartet und eine wahrhaft humorvolle und dennoch kritische Lektüre zu schätzen weiß, die früheren Outputs von Jeff Strand (Die "Andrew Mayhem-Trilogie", "Benjamins Parasit" oder "Fangboys Abenteuer") gemocht hat, sollte den Dampfplauderer Stanley oder "Der unglaubliche Mr. Corpse" einfach lieben und einmal kurz auf das tägliche Schlachtfest verzichten. Der nächste Roman von Jeff Strand wird von mir jedenfalls wieder inhaliert. Volle Punktzahl hierfür. Und dank Voodoo-Press werden ja noch einige kommen.
    • Greg F. Gifune – Bösartig

      Irgendetwas stimmt mit Cameron Horne nicht, denn Mitarbeiter der Verwaltung für Sexualstraftäter wird beschuldigt auf Alfred Copeland losgegangen zu sein. Nur kann sich Cameron beim besten Willen nicht erklären, wann das gewesen sein soll. Und was ist das außerdem für ein merkwürdiger Typ in seinem Garten? Jedes Mal, wenn der Alarm geht, und Cameron raus geht, trifft er auf einen Typen, der Cameron unbekannt ist. Doch das scheint nicht für seinen Gegenüber zu zutreffen. Und überhaupt
      sind viele Leute in seinem Umfeld der Ansicht, dass sich Cameron merkwürdig verhalte. Und man beginnt sich Sorgen um ihn zu machen. Und irgendwann will Cameron einfach nur noch wissen, was hier passiert ist und vor allem, wer er selbst überhaupt ist. Und damit Beginn für Cameron die Suche nach der Wahrheit...
      Wertung:
      Achtung: Es wird mit Absicht nicht gespoilert. Diese Rezension darf also gefahrlos gelesen werden.
      Es ist sehr schwierig hier eine Inhaltsangabe anbringen zu wollen, denn der Inhalt ist eigentlich sehr reduziert: Die Hauptperson Cameron Horne weiß nicht wirklich, was um ihn herum passiert ist und wer er selbst eigentlich ist, und das macht hier die gesamte Story aus. Das macht es schwer eine Zusammenfassung der Ereignisse zu geben, denn in der Hauptsache wird hier das Gefühl des Ich-Erzählers Cameron transportiert, und man spürt förmlich die Unsicherheit und teilweise auch die Verzweiflung, die vorhanden ist, denn er selbst hat das Gefühl, dass ihm niemand wirklich helfen kann. Das macht Cameron hier zu einem sehr einsamen und traurigen Charakter, auch wenn die Tristress nicht so extrem gehalten wird, wie in anderen Werken von Gifune.
      Vonseiner Komplexität kommt es nicht ganz an ein "Blutiges Frühjahr" heran, liegt aber noch vor Gifunes anderen Werken, die ich bisher gelesen hatte ("House of Rain" und "Kinder des Chaos"). Freunde der gehobenen Unterhaltung mit mysteriös-melancholischer Grundstimmung werden ihre Freunde hier an diesem Werk haben. Gerade was Dialoge angeht, ist hier richtig gut abgeliefert worden. Insgesamt erinnert mich das ein wenig an "The Flock – Dunkle Triebe", da der Hauptplot sozusagen übereinstimmt.

      Die Erstauflage wird momentan korrigiert, so dass einem ungestörten Lesevergnügen bald nichts mehr im Weg stehen sollte. Nächstes Mal bitte gleich so wie z. B. bei "Der unglaubliche Mr. Corpse". Dort ging es bislang ohne nennenswerte Fehler. Für den Gifune hier gibt es 08/10 Punkte.
    • Stanley Dabernath war ein Looser, der nicht so recht wusste, wie er in seinem Leben zurecht kommen sollte, und dann stirbt er auch noch. Aber nicht auf normale Weise, denn er wird von einem Milchlaster angefahren, dieser kippt um und damit aus und Stanley ertrinkt in Milch.

      Einige Wochen später steht jedoch die TV-Sensation des Jahres an, denn es soll ein Mensch wieder lebendig gemacht werden. Und dieser Jemand ist Stanley. Schläuche leiten Chemikalien in ihn hinein, und als alle schon glauben, das dies ein riesiger Flopp wird, wacht Stanley tatsächlich wieder auf. Und wird dadurch zum gefeierten TV-Star. Alles finanziert und geregelt durch das Projekt Zweite Chance. Anfangs gibt es viele Befürworter von Stanley aber auch einige Gegner. Doch er kann nicht getötet werden. Und das alles soll an dem Serum liegen. Und alles scheint ganz in Ordnung zu sein, bis Stanley versucht heraus zu finden, was im Serum wirklich enthalten ist.

      Wertung:
      Nach "Benjamins Parasit" der 2. Jeff Strand, den ich lesen durfte, und das meine ich wirklich so, denn auch diese Geschichte ist purer Humorismus, auch wenn die Hauptperson ein Zombie ist. Horror braucht man hier nicht zu suchen. Ab und zu ein bisschen Sexismus aber ansonten ist dieses Buch einfach nur lustig. Man könnte fast auf dei Idee kommen, Jeff Strand mit Terry Pratchett zu vergleichen, auch wenn das eine gänzlich andere Sprache ist und Pratchett doch in seinem eigenen Universum seine Geschichten hat spielen lassen. Vom Humorfaktor und der Art und Weise wie durch die Sprache selbst der Witz entsteht, sind sich aus meiner Sicht beide doch ein kleinen wenig ähnlich. Unterm strich fühlt man sich im Buch wie in einer Art Gameshow, und das war eine ganz andere Erfahrung des Lesens. Wenn die Story noch geringfügig ausgefeilter wäre hätte es 10 Punkte gegeben. So gibt es gerade knapp darunter, aber 09/10 sind schließlich auch nicht so schlecht. "Der unglaubliche Mister Corpse" ist auf jeden Fall eine Leseempfehlung wert!
    • Das ist eine schöne Besprechung, allerdings glaube ich, dass man Gifune nicht aufgrund von "House of Rain" und "Bösartig" allein einordnen kann, denn ein wenig mehr braucht es da schon, gerade auch weil es sich bei den angesprochenen Werken eher um kürzere handelt. Mein Favorit ist momentan "Blutiges Frühjahr", aber drei ungelesene Gifunes sind noch ausstehend.